26.07.2018: (Presse) Torneyer Vereine kämpfen um Wahrnehmung

Torneyer Vereine kämpfen um Wahrnehmung

Gesellschaft Viele Angebote bleiben von Bürgern ungenutzt
Von unserer Redakteurin Christina Nover

Torney. Torney gehört zwar mit 1908 Einwohnern eher zu den kleineren Stadtteilen von Neuwied, doch in Sachen Vereinsaktivitäten kann es durchaus mit den großen mithalten. Doch egal, ob Singkreis, Möhnen oder Alte Burschen – es fehlt ihnen allen an neuen, jungen Mitgliedern, die auch bereit sind, sich dauerhaft zu engagieren. Damit das rege Vereinsleben bestehen bleibt, wollen die Torneyer Vereine in Zukunft mehr zusammenarbeiten und gemeinsam auf Mitgliedersuche gehen.
Unter der Federführung von Ortsvorsteherin Petra Grabis haben bereits mehrfach Treffen der Vereinsvertreter stattgefunden. Grabis hofft darauf, dass daraus eine Plattform für den Austausch untereinander und die Entwicklung neuer Ideen entsteht. Was sich bei den Treffen bisher herauskristallisiert hat, ist, dass ein Großteil der Angebote im Stadtteil gar nicht erst wahrgenommen wird. „Viele Leute wissen gar nicht, was es alles für Vereine gibt, und was genau die machen“, erklärt Grabis.
Dies will die Ortsvorsteherin ändern: Zum einen soll die Internetseite des Stadtteils, die von Ralf Neitzert betrieben wird, ausgebaut werden: „Ich versuche dort alles, was es gibt, publik zu machen“, so Neitzert. Zum anderen wollen sich die Vereine erstmals beim nächsten Spielefest des Kinder- und Jugendbüros, das am 2. September in und rund um das Bürgerhaus stattfindet, gesammelt präsentieren. „Das Fest spricht vor allem Familien an und damit genau jene, die wir gern im Boot hätten“, sagt Grabis.
Dass es ein Bekanntheitsproblem gibt, zeigt sich unter anderem in der Teilnehmerzusammensetzung bestehender Angebote. So hat beispielsweise die Torneyer Pfadfindergruppe Pilgrim Falkoni vom BdP zwar an die 90 Mitglieder, darunter befindet sich laut Stammesführer Carsten Pütz jedoch nur ein einziges Kind aus Torney. Von den knapp 50 Leuten, die regelmäßig im Bürgerhaus in Torney den Sport- und Bewegungsangeboten des Sportvereins Niederbieber nachgehen, kommt auch nur eine Handvoll aus dem Stadtteil. Trainingsleiterin Ute Neitzert: „Angefangen hat das Ganze mal als Angebot für junge Mütter, mittlerweile ist es eher Seniorensport.“
Das hohe Alter der Aktiven ist ein Thema, das sich quer durch die Vereine zieht. Während es in der Seniorengemeinschaft Torney dazugehört, ist es im Burschenverein, im Bridge Forum, oder bei den Möhnen eher eine Last. Letztere mussten wegen des Nachwuchsmangels nun sogar die große Möhnensitzung, die jahrzehntelang an Schwerdonnerstag stattfand, einstellen. Bestand 2017 noch die Hoffnung darauf, die Sitzung wieder zum Leben zu erwecken, erklärte Karin Zimmermann nun: „Wir sind derzeit 23 Möhnen, von denen nur noch sehr wenige aktiv mitwirken können – daher ist es uns nicht mehr möglich, eine solche Veranstaltung durchzuführen.“ Was bleibt, sind lediglich die monatlichen Treffen.
Über Mitgliedermangel kann sich der Heimat- und Verschönerungsverein (HVO) nicht beklagen. Mit rund 200 Mitgliedern handelt es sich dabei um den größten Verein in Torney. Jedes Jahr stellt die Gruppierung sieben bis acht Veranstaltungen auf die Beine, unter anderem ist er verantwortlich für das Siedlerfest. Doch auch hier gibt es Grund zu Klage: „Es fehlt uns an Manpower. Die Jungen wollen überall dabei sein, aber nirgendwo mehr mit anpacken“, äußert sich der Erste Vorsitzende des HVO, Dietmar Littek.
Weniger an Tatkraft, sondern vielmehr an Sangeskraft fehlt es hingegen dem Singkreis. Hier sind derzeit 27 Mitglieder aktiv – vor allem Frauen. So besteht der Tenor komplett aus Sängerinnen, während vier Sänger den Bass übernehmen. Männerüberschuss haben wiederum die Ping-Pong-Freunde und der Tisch-Tennis-Club Torney. Letztere bilden mit dem ESV Engers eine Spielgemeinschaft und trainieren vor allem außerhalb des Stadtteils.
Weitere Infos zu Torney und seinen Vereinen finden Sie im Internet unter https://torney.net

Ortsvorsteherin Petra Grabis (4. von links) hat Vertreter der verschiedenen Vereine und Gruppierungen in Torney um sich geschart, um gemeinsam eine Lösung für den Nachwuchsmangel zu finden und an einer besseren Wahrnehmung durch die Bürger zu arbeiten. Foto: Christina Nover

Rhein-Zeitung – Kreis Neuwied vom 26.07.2018